Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Urogynäkologie, Harninkontinenz und Senkungsbeschwerden

Liebe Patientin,
wir möchten sie vorab über die verschiedenen Beschwerdebilder der Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz informieren. Betroffen sind Frauen aller Altersgruppen, die oft erst nach erheblichen Einbußen der Lebensqualität den Weg in die Sprechstunde des Frauenarztes finden.
Der Therapie gehen eine umfassende Erhebung der Beschwerden und eine gründliche Diagnostik voraus. Im Folgenden stellen wir Ihnen die einzelnen diagnostischen Schritte sowie mögliche konservative aber auch operative Therapieoptionen vor.

Seit Februar 2011 ist die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe offizielle Kontinenz-Beratungsstelle gemäß der der Leitlinien der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.

Sanja Pelletier

Sanja Pelletier

Spezialsprechstunde Uro-Gynäkologie

Frau Sanja Pelletier
Oberärztin der Frauenklinik

Mittwoch und Freitag 08:00 – 13:00 Uhr
Telefon: 0541 – 405 6816
Telefax: 0541 – 405 6899
E-Mail: frauenklinik@klinikum-os.de

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Patienteninfo Harninkontinenz und Sekungsbeschwerden. Immer noch ein Tabu?

  • Was ist eine Harninkontinenz?

    Harninkontinenz ist der unwillkürliche und unkontrollierte Abgang von Urin. Es gibt unterschiedliche Formen und Schweregrade der Harninkontinenz, die die Lebensqualität mehr oder weniger beeinträchtigen. Man unterscheidet die Dranginkontinenz von der Stress- oder Belastungsinkontinenz. Bei der Dranginkontinenz kommt es zu sehr häufigem Harndrang, manchmal mit starken Krämpfen der Blasenmuskulatur, auch wenn gar nicht viel Urin in der Blase ist. Wird dann nicht schnell eine Toilette gefunden, so kann unter spürbarem Druck auf der Blase unkontrolliert Urin abgehen. Bei der Stress- oder Belastungsinkontinenz kommt es bei Belastung wie Husten, Niesen, Lachen oder Treppensteigen zum unkontrollierbaren Urinabgang, meist in kleinen Mengen. Im Extremfall geht Urin dauernd und ohne jegliche Anstrengung ab. Hierbei wird kein deutlicher Druck auf der Blase verspürt, es besteht kein Drang zum Wasserlassen. Häufig kommen auch Mischformen dieser beiden Inkontinenzarten vor.

  • Wie kommt es zu einer Harninkontinenz?

    Eine Dranginkontinenz kann verursacht sein z.B. durch Entzündungen der Blase, Nervosität oder Nervenerkrankungen. Bei älteren Frauen spielt hierbei der Östrogenmangel eine große Rolle. Rezeptoren in der Blase melden schon bei geringer Urinmenge „voll“, die Erregbarkeit der Blasenmuskulatur ist erhöht, es kommt zum Harndrang und zu Kontraktionen der Blasenmuskulatur.

    Eine Stressinkontinenz entsteht durch eine Funktionsschwäche des Verschlussmechanismus an Blasenhals und Harnröhre, ebenfalls z.B. durch Nervenschädigung, durch Vernarbungen oder am häufigsten durch eine Senkung der Blase, der Scheide und der Gebärmutter durch Lockerung des gesamten Halteapparates. Bedeutende Faktoren sind hierbei Übergewicht und auch der Hormonmangel nach der Menopause.

    Die Mischinkontinenz beschreibt den Urinverlust, der sowohl in einer Drang- als auch in einer Belastungsinkontinenz begründet ist. Manchmal ist die Dranginkontinenz sogar ein Resultat der Stressharninkontinenz bzw. beruht auf dem veränderten Trink- und Miktionsverhaltens der betroffenen Frauen. Sie reduzieren die Trinkmenge und gehen prophylaktisch auf die Toilette. Das führt dazu, dass sich die Blase in einem ständigen Entleerungszustand befindet. Nach ein paar Jahren schrumpft die Blase und fasst statt der normalen 400 ml bis 500 ml nur noch 150 oder 200 ml. Dann kommt eine Drangkomponente hinzu und man spricht von einer Stress- Dranginkontinenz.

  • Was ist eine Blasensenkung?

    Eine Blasensenkung ist die Verlagerung der Blase nach unten und hinten, bedingt durch ein Nachgeben des Beckenbodens. Der Beckenboden besteht aus einer Muskel- und Bindegewebsplatte, die den Beckenraum nach unten abschließt und die Beckenorgane stützt. Dieser Beckenboden hat einen natürlichen Schwachpunkt in der Anatomie der Frau, da nicht nur Harnröhre und Enddarm durch ihn hindurchziehen, sondern auch die Scheide. Bei der Geburt wird der Beckenboden extrem gedehnt, häufig kommt es zu Zerreißungen, die oft nicht erkannt werden und somit auch bei der Versorgung von Geburtsverletzungen nicht korrigiert werden können. Senkungsbeschwerden treten deshalb überwiegend bei Frauen auf, die geboren haben. In seltenen Fällen auch bei Frauen ohne Schwangerschaften. Meistens ist die Blasensenkung begleitet von einer Senkung der Scheide, der Gebärmutter und oft auch des Enddarmes.

  • Was kann man tun? Man kann vorbeugen!

    Vermeiden Sie Übergewicht! Trainieren Sie Ihren Beckenboden! Immer wieder und ganz besonders in Schwangerschaft und Wochenbett! Nach einer Geburt auf narürlichem Weg ist eine vorübergehende Senkung normal. Nur eine gezielte und konsequent fortgeführte Rückbildungsgymnastik kann den Beckenboden wieder straffen und eine endgültige Senkung verhindern.

  • Senkung und Harninkontinenz können behandelt werden!

    Dabei spielt aber die dauerhafte Mitarbeit und Motivation der Patientin eine ganz wesentliche Rolle.

    1. Physiotherapeutische Maßnahmen: Eine gezielte und dauerhafte Beckenbodengymnastik ist eine unabdingbare Voraussetzung zum Erfolg aller weiteren Maßnahmen. Mit Bio-Feedback und tamponförmigen Gewichten (Vaginalkoni) können Sie die Kraft Ihres Beckenbodens selbst kontrollieren und trainieren. Andernfalls kann eine sehr schwache Muskulatur auch mit Reizstrom aktiviert und trainiert werden.

    2. Liegt ein Mangel an weiblichen Hormonen, insbesondere Östrogenen vor, wie das bei Frauen nach den Wechseljahren häufig ist, so führt eine lokale Hormonersatzbehandlung, v.a. als Vaginalcreme oder -zäpfchen oft schon zu einer Besserung.

    3. Pessartherapie: Durch das Einlegen von so genannten Pessaren, die es in verschiedenen Formen gibt (Schalen, Ringe, Würfel etc.), in die Scheide wird die Blase passiv gestützt.

    4. Bei deutlichem Übergewicht muss dieses unbedingt reduziert werden. Schon eine Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm führt oft zu einer erstaunlichen Besserung und trägt ganz wesentlich zum Langzeiterfolg weiterer Maßnahmen bei.

    5. Milde Formen der Inkontinenz können mit Blasentraining, Reizstromtherapie und Medikamenten behandelt werden. Eine Infektion sollte natürlich zunächst ausgeschlossen und ggf. behandelt werden.

  • Operative Verfahren

    Sollte mit diesen einfachen Maßnahmen noch kein Erfolg erzielt sein, so gibt es verschiedene Operationstechniken, um die Beckenorgane in ihre normale Lage zurückzuverlegen bzw. den Beckenboden zu straffen. Manche Operationen werden von der Scheide ausgeführt, andere über einen Bauchschnitt. Es wird entweder das gelockerte Gewebe gerafft bzw. mit Nähten fixiert, oder es werden zur Unterstützung synthetische Netze und Bänder eingelegt, die dann mit dem körpereigenen Bindegewebe verwachsen und solide Widerlager bilden. So wird z.B. bei den sog. Schlingen-Operationen nur ein Bändchen zur Stütze unter die Harnröhre gelegt (TVTTM; MONARCTM; STARCTM). Dies ist nur ein kleiner Eingriff und kann sogar in Lokal- bzw. Regionalanästhesie erfolgen. Alle diese Methoden haben ihre Wirksamkeit bewiesen. Welche im Einzelfall die richtige und erfolgversprechende ist, kann nur der Arzt nach der Untersuchung festlegen. Je nach Eingriff liegt der stationäre Aufenthalt zwischen 3 und 10 Tagen.

    Wenn Sie unter Senkungsbeschwerden oder Harninkontinenz leiden, so sprechen Sie dieses Problem an. Auch für Sie gibt es sicher eine adäquate Behandlung. Fragen Sie Ihren Frauenarzt oder kommen Sie in unsere Spezialsprechstunde.

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