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Mit Hightech zurück auf die Beine: Klinikum Osnabrück setzt Gangroboter ein

Bild: Betreuen Patientinnen und Patienten im Gangroboter v.l. Oberarzt Dr. Martin Roesner, Physiotherapeutinnen Gudrun Kühn und Eva Gretzmann

Um Menschen nach einer halbseitigen Lähmung durch einen Schlaganfall oder einer Querschnittlähmung – etwa infolge eines schweren neurologischen Traumas – wieder zum Gehen zu verhelfen, setzt die neurologische Frührehabilitation des Klinikums Osnabrück auf modernste Technik. Der leitende Arzt Dr. Philipp Küpper und Oberarzt Dr. Martin Roesner setzen mit dem gesamten therapeutischen Team für das Gehtraining mit schwer mobilitätseingeschränkten Patientinnen und Patienten auf einen hochmodernen Gangroboter. Das Gerät beschleunigt und erleichtert den Prozess des Rückgewinnens oder Neulernens der Gehfähigkeit signifikant und ist besonders auf das Patientenkollektiv zugeschnitten, das in der neurologischen Frührehabilitation behandelt wird.

Wie die Mediziner erläutern, vervielfacht sich die Anzahl der Übungsschritte, die Erkrankte mithilfe des Roboters in den täglichen Trainingseinheiten bewältigen können. In der physiotherapeutischen Behandlung stehen dafür täglich 30 Minuten zur Verfügung. Ähnlich wie im Sport kommt es beim sogenannten „Bahnen“ von Bewegungsmustern – dem Neulernen des Gehens – auf eine hohe Wiederholungsrate an. Während schwer betroffene Patientinnen und Patienten mit Unterstützung von zwei bis drei Therapeuten etwa 20 bis 30 Schritte schaffen, ermöglicht der Gangroboter im gleichen Zeitraum rund 300 Schritte.

„Die Maschine bewirkt einen enormen Trainingseffekt“, verdeutlicht Dr. Roesner. „Besonders bei Menschen mit einem höheren Körpergewicht erreichen wir eine viel höhere Schrittzahl, während für unsere Therapeuten die körperliche Belastung beim Heben wegfällt.“ Die Patientinnen und Patienten werden im Rollstuhl in das Gerät bewegt, die Füße auf Pedalen fixiert und der Körper von der Maschine gehalten. Laut Dr. Küpper lässt sich die Unterstützung individuell dosieren – von der vollständigen Führung durch den Roboter bis hin zu minimaler Hilfe. Zudem können verschiedene lebensrealistische Szenarien wie das Gehen auf schrägem Untergrund, Rückwärtsgehen oder Treppensteigen geübt werden. Sobald die Fortschritte am Roboter ausreichen, folgt in der nächsten Stufe das Training auf dem Laufband.

„In einem größeren Umkreis ist das Klinikum das einzige Krankenhaus mit einem solchen Modell“, so Dr. Küpper. Bundesweit verfügen schätzungsweise nur 15 Häuser über genau diese Technik. „Aber auch die Konstellation an sich, dass – wie bei uns am Klinikum – eine neurologische Frührehabilitation an einem Akutkrankenhaus besteht, ist immer noch eine Besonderheit und nicht allzu weit verbreitet“, so Dr. Roesner. Das Klinikum Osnabrück war vor über 30 Jahren – damals unter Beteiligung der ZNS-Hannelore-Kohl-Stiftung – eines der ersten Häuser in Niedersachsen, das eine solche Einheit initiierte. Durch die enge Kombination aus Notfallmedizin, Neurologie und Neurochirurgie wurde das Versorgungsangebot für Schlaganfall- und Trauma-Patienten in der Region maßgeblich verbessert und zwischenzeitlich in einem überregionalen Neurozentrum am Standort Finkenhügel zusammengefasst. So ermöglicht diese Verzahnung von neurologischer und neurochirurgischer Akutmedizin sowie nahtlos anschließender (Früh-)Rehabilitation in einem modernen Gebäude jederzeit eine umfassende spezialisierte Versorgung der Bevölkerung in der Region Osnabrück und darüber hinaus.

Der Gangroboter kommt täglich bei bis zu zehn Behandlungen zum Einsatz. Das Spektrum der Behandlungen reicht von Lähmungen nach Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Verletzungen bis hin zu Bewegungsstörungen, Muskelerkrankungen oder Folgen langer Intensivaufenthalte. Während in der neurologischen Akutmedizin eine durchschnittliche Verweildauer von sechs bis sieben Tagen üblich ist, verbringen Erkrankte in der Frührehabilitation oft 60 bis 70 Tage im Klinikum. In dieser Zeit steht ihnen ein individuelles tägliches Therapiepensum von bis zu mehreren Stunden zur Verfügung, das sich auf Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und spezialisierte Pflege verteilt.

Die Anschaffung des im sechsstelligen Euro-Bereich angesiedelten Geräts war ein über viele Jahre vorbereitetes Ziel, das vor eineinhalb Jahren durch Zuschüsse im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) realisiert werden konnte. „Es gibt viele computergestützte Therapiegeräte, auch für andere Körperpartien“, erklärt Dr. Roesner. „Uns war dieser Gangroboter jedoch besonders wichtig, da er die therapeutische Wirkung nachweislich verbessert.“ Menschliche Therapeuten kann die Maschine indes nicht ersetzen: Sie begleiten jedes Training, übernehmen den Transfer in das Gerät und die korrekte Fixierung. Für die betroffenen Patientinnen und Patienten bedeutet dieses hochspezialisierte Angebot jedoch einen entscheidenden Vorteil auf dem Weg zurück zur Mobilität.


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Silvia Kerst 
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