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FEES-App für die Diagnose von Schluckstörungen: Klinikum und UKM entwickeln digitale Unterstützung für die Patientenversorgung - Neue FEES-App erleichtert strukturierte Diagnostik, spart Zeit und macht hochspezialisierte Expertise für Behandelnde

Bild: FEES-App vorgestellt (v.l.): Prof. Dr. Sven G. Meuth (UKM), Frans Blok (Klinikum), Prof. Dr. Tobias Warnecke (Klinikum), Dr. Volker Schulte (Klinikum), Oleksandr Kotsyuba (Linvelo@BITECC GmbH), Prof. Dr. Sonja Suntrup-Krüger (UKM), Prof. Dr. Rainer Dziewas (Klinikum), Klaus Beekmann (Klinikum), Ingo Mette (Klinikum). Fotograf: Jens Lintel

Das Klinikum Osnabrück und das Universitätsklinikum Münster (UKM) treiben gemeinsam die Digitalisierung in der Medizin voran: Mit der neu entwickelten FEES-App steht Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Fachkräften eine digitale Anwendung zur Verfügung, die die Durchführung und Dokumentation fiberendoskopischer Schluckuntersuchungen (FEES – fiberendoskopische Evaluation des Schluckens) unterstützt. Die App erfasst Untersuchungsergebnisse strukturiert, führt durch standardisierte Bewertungsschritte und stellt wissenschaftlich fundierte Kriterien transparent bereit. Sie erstellt keinen eigenständigen medizinischen Befund und ersetzt keine klinische Entscheidung; die abschließende Befundung sowie die Ableitung diagnostischer oder therapeutischer Konsequenzen bleiben ausdrücklich Aufgabe der Behandelnden. Entwickelt wurde die Software nach den fachlichen Vorgaben von Prof. Dr. Rainer Dziewas und Prof. Dr. Tobias Warnecke vom Klinikum Osnabrück, Prof. Dr. Sonja Suntrup-Krüger vom Universitätsklinikum Münster und weiteren Kolleginnen und Kollegen. Die technische Umsetzung übernahm das Lingener Softwareunternehmen Linvelo@BITECC.

„Mit der FEES-App bringen wir unsere langjährige wissenschaftliche Arbeit unmittelbar in den klinischen Alltag“, erklärt Prof. Dr. Rainer Dziewas, Leiter des Dysphagiezentrums Münster-Osnabrück mit Sitz am Klinikum Osnabrück. „Unser Ziel war es, die Diagnostik von Schluckstörungen zu standardisieren, die Qualität der Befundung weiter zu verbessern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand für die Behandelnden deutlich zu reduzieren.“

Wissenschaftliche Expertise trifft digitale Innovation

Schluckstörungen (Dysphagien) zählen zu den häufigen Begleiterscheinungen neurologischer Erkrankungen wie dem Schlaganfall, der Parkinsonkrankheit und vielen neuromuskulären Erkrankungen. Ihre Diagnostik erfordert hohe fachliche Expertise. Die federführenden medizinischen Expertinnen und Experten verbindet mehr als 20 Jahre gemeinsamer Forschung und klinischer Zusammenarbeit auf diesem hochspezialisierten Gebiet.

In die Entwicklung der App flossen die Erkenntnisse aus insgesamt 30 wissenschaftlichen Studien ein. Bereits im Vorfeld hatten die Expertinnen und Experten in einem mehrjährigen Prozess erstmals einheitliche Kriterien zur Bewertung von Schluckstörungen und deren Schweregrad entwickelt. Diese wissenschaftliche Grundlage bildet heute das Herzstück der App.

Während einer FEES werden Patientinnen und Patienten mit flüssigen, halbfesten und festen Konsistenzen untersucht. Mithilfe eines über die Nase eingeführten Endoskops beurteilen die Behandelnden unter anderem Schluckbewegungen, Schutzreflexe und die Funktion verschiedener anatomischer Strukturen. Zusätzlich fließen Grunderkrankungen sowie weitere klinische Befunde in die Bewertung ein.

Die App führt in insgesamt 12 Schritten durch die Untersuchung. Statt handschriftlicher Notizen oder Diktate können Befunde direkt digital erfasst werden. Auf Grundlage der eingegebenen Beobachtungen erzeugt die Software eine strukturierte Vorlage für die Befunddokumentation und macht regelbasierte Klassifikationen sowie wissenschaftlich hinterlegte Orientierungspunkte sichtbar. Diese dienen als Unterstützung für die fachliche Bewertung; Befund, Schweregradeinschätzung und mögliche diagnostische oder therapeutische Konsequenzen werden von den Behandelnden an die individuelle klinische Situation angepasst ausgewählt.

Deutliche Zeitersparnis und mehr Qualität

Neben der standardisierten Befundung bietet die App vor allem einen erheblichen Zeitgewinn. Während die eigentliche endoskopische Schluckuntersuchung etwa zehn bis fünfzehn Minuten dauert, beansprucht die bisherige Auswertung einschließlich der Dokumentation und Erstellung des Arztbriefes häufig weitere rund 30 Minuten. Dieser Aufwand kann durch die digitale Strukturierung und die Vorbefüllung relevanter Berichtselemente deutlich reduziert werden.

Darüber hinaus erleichtert die App die Kommunikation zwischen den behandelnden Fachdisziplinen und macht die Expertise der Dysphagiezentren des Klinikums Osnabrück und des Universitätsklinikums Münster auch außerhalb der beiden spezialisierten Einrichtungen verfügbar.

Digitalisierung aus der Praxis für die Praxis

Für das Klinikum Osnabrück steht die FEES-App beispielhaft für eine Digitalisierung, die unmittelbar aus dem Versorgungsalltag heraus entsteht.

„Innovationen entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie konkrete Herausforderungen in der Patientenversorgung lösen“, betonen die Geschäftsführer Frans Blok und Klaus Beekmann. „Deshalb fördern wir gezielt Projekte, bei denen medizinische Expertise, Wissenschaft und digitale Entwicklung zusammenkommen. Die FEES-App zeigt eindrucksvoll, wie durch die Zusammenarbeit regionaler Partner praxistaugliche Lösungen entstehen, die die Versorgungsqualität verbessern und den Arbeitsalltag unserer Mitarbeitenden erleichtern.“

„Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit zwischen IT-Fachkräften und Medizinerinnen und Medizinern ist“, sagt Oleksandr Kotsyuba vom Lingener Softwareunternehmen Linvelo@BITECC. „Wenn klinische Expertise und technische Umsetzung früh zusammenkommen, entstehen digitale Werkzeuge, die verlässlich, anwenderfreundlich und nah am Versorgungsalltag sind. Genau darin liegt eine große Chance der Digitalisierung.“

Auch Ingo Mette, Leiter Services und Technologien des Klinikums Osnabrück, sieht in dem Projekt einen richtungsweisenden Ansatz und lobte die App als sinnvolles Vorhaben für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, das großes Potenzial für Qualitätsverbesserungen und Arbeitserleichterung im klinischen und außerklinischen Einsatz habe.

Prof. Dr. Sven G. Meuth, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster und stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sieht in der FEES-App ein „wertvolles Hilfsmittel“ für die neurologische Versorgung: „Dysphagien sind ein klinisch hochrelevantes Problem, insbesondere bei neurologischen Erkrankungen, und ihre strukturierte Diagnostik entscheidet maßgeblich über Sicherheit, Therapieplanung und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten. Die App verbindet wissenschaftliche Standards mit einem praktikablen digitalen Werkzeug für den klinischen Alltag und kann dazu beitragen, Expertise breiter verfügbar zu machen. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dieses Projekt auch über die Fachgesellschaft einer breiten Fachöffentlichkeit vorzustellen.“

Weiterentwicklung gemeinsam mit den Anwendern

Aktuell befindet sich die FEES-App als Beta-Version in einer offenen Testphase. Interessierte Behandelnde können die Anwendung bereits nutzen und ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung einbringen. Ziel ist es, die Software kontinuierlich anhand der Rückmeldungen aus der Praxis zu optimieren und anschließend in eine breit einsetzbare Anwendung zu überführen.

Die Entwickler planen darüber hinaus, die App über wissenschaftliche Fachgesellschaften und klinische Netzwerke national und international zu verbreiten. Damit soll die hohe Expertise der Dysphagiezentren in Osnabrück und Münster künftig noch mehr Patientinnen und Patienten zugutekommen.


PRESSEKONTAKT

Silvia Kerst 
Leitung Marketing/Kommunikation
Telefon: 0541- 405-5100 
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E-Mail: silvia.kerst@klinikum-os.de 

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