Die Operation an der linken Schulter durch den Osnabrücker Chefarzt für Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Osnabrück, PD Dr. Casper Grim ist gut gelaufen. Nur fünf Monate später steht Profiboxerin Beke Bas schon wieder im Ring - und wird Weltmeisterin im Leichtgewicht.
Den plötzlichen Schmerz, den sie mitten in den Vorbereitungen auf den nächsten Kampf an ihrer linken Schulter spürte, empfand sie alles andere als angenehm. Sie schloß kurz die Augen, ignorierte die Beschwerden, hob den Arm um weiter zu boxen. Und spürte schnell: an ihrem Oberarmkopf stimmte irgendetwas nicht. „Mein Physiotherapeut checkte das, meinte, ich müsste zum MRT.“ Beke Bas, Profiboxerin aus Lemgo, blickt noch einmal auf jenen schicksalhaften Tag zurück.
Ihre Reise in den Sport, so berichtet sie, begann auf dem Fussballfeld. Man wurde schnell auf die gelernte Heil- und Erziehungspflegerin aufmerksam, ihr Können brachte ihr Angebote aus der 1. Bundesliga ein. Wie aus dem Nichts kam dann das Aus ihres großen Fussballtraums. Bas hatte sich zum zweiten Mal die Kreuzbänder gerissen. „Das Schicksal hatte andere Pläne und es öffnete mir die Tür zum Boxsport“, sagt sie heute und strahlt dabei. Kein Wunder, denn auch ihre Karriere im Ring ist durchaus beeindruckend. In jedem Kampf stieg sie als Siegerin aus dem Ring.
Doch dann kam jener Tag, als sie dieser unnatürliche Schmerz in der Schulter ereilte. Bas ahnte, dass ein komplexer Schaden entstanden sein könnte. Die Schnittbilder der MRT brachten schnell Klarheit in der Beurteilung der weichteiligen Strukturen. Bas war zunächst frustriert, fuhr dann auf Anraten ihres Physios mit ihm zusammen in das Klinikum am Finkenhügel. Auf die Frage warum ausgerechnet Osnabrück und nicht etwa Bielefeld oder Hannover, was beides ja viel näher gewesen wäre, antwortet sie lachend: „Mir war klar, die OP musste verdammt gut werden.“
Die Belastung des Schultergelenkes beim Boxen ist ausgesprochen hoch. Dass eine konservative Therapie bei der Schwere der Verletzung nicht möglich sein sollte, das befürchtete die 1,60 m große und 61 Kilo schwere Sportlerin. Sie folgte also dem Rat ihres Physiotherapeuten, der selbst Spitzensportler war und den Osnabrücker PD Dr. Casper Grim als Olympiaarzt kennen und auch schätzen gelernt hatte.
Grim, Chefarzt für Orthopädie und Sportmedizin am Osnabrücker Klinikum, bestätigte die Diagnose. „Die Athletin hat sich eine langstreckige Verletzung des Labrums der Schultergelenkspfanne zugezogen. Zusätzlich eine Verletzung der Aufhängung der Bizepssehne sowie eine Schädigung der Rotatorenmanschette.“ War sich Bas zuvor noch unsicher, entschied sie sich auf der Rückfahrt nach Lemgo schnell für eine Operation am Klinikum. „Casper Grim hatte mir die Verletzung erklärt und gesagt, sie sei nicht das Karriereende.“ Sie habe sich dann gedacht: wenn ein Arzt so mit mir spricht, dann kann es nur gut werden.
Freimütig gibt sie aber zu, dass sie zu dem Zeitpunkt noch der Meinung war: “okay, sechs Wochen Pause, dann bin ich wieder fit. Als Profisportlerin bin ich es ja gewohnt, Vollgas zu geben.“ Doch ihr Vorhaben nach der OP besonders schnell voranzukommen, auffallend große Schritte vorwärts zu machen, es scheiterte zunächst kläglich. Die schlagstarke und hochmotivierte Athletin musste lernen: die Zauberworte nach einer Schulteroperation lauten „stufenweise Aufbelastung“. Auch während dieser nicht immer leichten Zeit habe der Osnabrücker Arzt Grim sie emotional erreicht, gibt die Athletin zu.
Insgesamt fünf Monate arbeitet sie mit viel Fleiß an ihrem Comeback. Merkte, die Schulterverletzung ließ sich mit früheren Verletzungen überhaupt nicht vergleichen. Und dennoch erlangte sie Kraft und Beweglichkeit zurück, Schritt für Schritt. Heute sagt sie: „Aus dem ganzen Prozess habe ich viel über mich selbst gelernt und so viel Reife mitgenommen.“
Ihre linke Schulter ist mittlerweile stärker als die rechte, funktioniert, wie sie sagt, super. Die 31-Jährige hat 20 Kämpfe geboxt, 20 Mal stand sie als Siegerin fest. Sie ist viermalige Weltmeisterin, doch ihre Leidenschaft beschränkt sich nicht nur auf den Ring: sie ist zudem Trainerin für 200 Kinder und Jugendliche in einer Sportschule in Lemgo, außerdem bietet sie Personaltraining für Boxen, Kickboxen und Fitnessboxen an.
„Mit meiner Geschichte möchte ich zeigen, dass man trotz aller Rückschläge im Leben immer wieder aufstehen und seine Träume verwirklichen kann.“ Dem Osnabrücker Arzt Grim vertraut die Athletin weiterhin. An diesem Tag ist sie erneut im Klinikum, lässt sich untersuchen. Und dieses Mal ist es ihr Knie, was ihr Probleme bereitet.
