Auf beeindruckende Weise setzt sich die Pflegefachfrau Anna Schulz (28) für die Sichtbarkeit der Palliativversorgung ein: Seit dem 5. September wandert sie täglich rund 25 bis 30 Kilometer und legt so insgesamt 538 Kilometer vom Brandenburger Tor in Berlin bis nach Marl zurück. Anlass ist das 15-jährige Bestehen der Palliativstation des Marienhospitals in Marl, in dem sie arbeitet.
Auf ihrer Tour steuerte Schulz auch die Klinik für Geriatrie und Palliativmedizin am Klinikum Osnabrück an. Dort wurde sie von Chefärztin Dr. Anja Kwetkat und der stellvertretenden Leiterin des Palliativbereichs, Dr. Huberta Wiese, und weiteren Mitgliedern des Teams empfangen. Sie würdigten die Aktion als herausragendes Engagement und wünschten Schulz weiterhin einen guten Verlauf ihrer Wanderung.
Mit ihren Etappenzielen macht Schulz zugleich auf die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Palliativversorgung aufmerksam: Stationen, die sie besucht, sind allesamt von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zertifiziert. „Palliativversorgung wird vielfach mit Sterbebegleitung gleichgesetzt“, so Schulz, „doch in Wirklichkeit geht es um die symptomorientierte Behandlung, die Schmerzen lindert, die Lebensqualität steigert und das Weiterleben im Alltag ermöglicht.“
Wie Gesundheits- und Krankenpfleger Marc Hallmann meinte, der zum Team der Palliativstation des Klinikums gehört, stehen er und die Kolleginnen und Kollegen der Abteilung „voll hinter“ der Initiative von Schulz. Es sei weit verbreitet, dass Palliativmedizin als reine Sterbebegleitung angesehen werde. „Das Ziel einer Palliativbehandlung ist es vornehmlich, die Lebenssituation der Patientinnen und Patienten wieder so weit zu verbessern, dass eine Entlassung nach Hause möglich ist – und, so gut wie möglich weiterleben zu können. Es geht ums Leben, aber keinesfalls nur ums Sterben“, sagt er. „Es erweist sich immer wieder, dass Menschen mit unheilbaren weit fortgeschrittenen Erkrankungen besser nach palliativmedizinischen Gesichtspunkten versorgt werden sollten oder könnten. Es ist schade, wenn Menschen oft erst zu uns kommen, wenn sich die Lebenssituation schon deutlich verschlechtert hat.“ Schulz´ Vorstoß, mehr Öffentlichkeit für Palliativversorgung zu schaffen, werde deswegen von dem Team sehr begrüßt – und die 538-Kilometer-Strecke sei ein wirklich starkes Zeichen.
