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100 Jahre Pflegeausbildung am Klinikum Osnabrück: Akademie feiert Jubiläum

Bild: Mit einem Festakt wurden das Jubiläum „100 Jahre Pflegeausbildung“ und damit der 100. Geburtstag der Akademie des Klinikums begangen. Zusammen mit Akademieleiterin Dr. Janika Grunau und Klinikums-Geschäftsführer Klaus Beekmann freuten sich darüber zahlreiche Gratulanten. Fotograf: Jens Lintel

Auf dem Finkenhügel jährt sich ein besonderes Datum: Genau am 1. Oktober 1926 wurde am Stadtkrankenhaus, dem Vorläufer des Klinikums Osnabrück, mit der Ausbildung von Krankenschwestern begonnen. Aus den Anfängen mit 19 Schwesternschülerinnen ist die heutige Akademie des Klinikums Osnabrück hervorgegangen, an der Ausbildungen in acht Gesundheitsberufen und in Kooperation mit Hochschulen vier Studiengänge absolviert werden können. Das Jubiläum „100 Jahre Pflegeausbildung am Klinikum Osnabrück“ und damit gleichzeitig der 100. Geburtstag der Akademie wurden jetzt bei einem Festakt gewürdigt. Moderiert von Akademieleiterin Dr. Janika Grunau gab es dabei neben Rückblicken auf die Geschichte auch Ausblicke auf die Zukunft der Pflege.

Dr. Fritz Brickwedde, der Aufsichtsratsvorsitzende der Klinikum Osnabrück GmbH, konnte aufgrund einer anderweitigen Verpflichtung nicht persönlich am Festakt teilnehmen, übermittelte aber seine Glückwünsche zum Jubiläum: „Die Entscheidung für den Neubau der Akademie war ein wichtiges Bekenntnis zur Zukunft der Pflegeausbildung am Klinikum Osnabrück. Wir haben uns im Aufsichtsrat dafür eingesetzt, hierfür zeitgemäße und attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Dass der Aufsichtsrat den Neubau gemeinsam getragen und beschlossen hat, war ein starkes Signal für die Bedeutung der Ausbildung und für die Pflege insgesamt. Heute, zum 100-jährigen Jubiläum, zeigt sich, wie richtig und wichtig diese Investition war. Seit 2019 bietet die Akademie jungen Menschen auf dem Finkenhügel einen modernen Ort, an dem sie auf einen anspruchsvollen und gesellschaftlich unverzichtbaren Beruf vorbereitet werden. Ich wünsche der Akademie, dass sie auch in den kommenden 100 Jahren ein Ort des Lernens, der Entwicklung und der Begeisterung für den Pflegeberuf bleibt.“

Klaus Beekmann, einer der beiden Geschäftsführer des Klinikums, sprach bei der Feierstunde seine Anerkennung aus: An 100 Jahren Pflegeausbildung sei vor allem beeindruckend, dass sich über einen so langen Zeitraum durchgehend Menschen dazu entschieden hätten, für andere Menschen da sein zu wollen. Der Geschäftsführer machte den zahlreichen Schülerinnen und Schülern im Publikum Mut: Die Pflege der Zukunft werde sich verändern, meinte Beekmann mit Blick auf Roboter, KI und weitere Einflüsse. Unverzichtbar werde es aber sein, dass weiterhin Menschen Verantwortung für Erkrankte übernehmen. 

Nach den Worten von Beekmann sieht das Klinikum eine zentrale Aufgabe darin, junge Menschen auszubilden und sie dabei auch für den Pflegeberuf begeistern zu wollen. Das Haus könne es sich nicht leisten, die Ausbildung zu vernachlässigen, und sehe sie keinesfalls als Pflichtaufgabe an. Vielmehr, so der Geschäftsführer, leite sich aus dem Jubiläum ein Versprechen für die Zukunft ab: weiterhin in eine gute Ausbildung am Klinikum Osnabrück investieren zu wollen.

Ingo Bumann vom Betriebsrat des Klinikums stellte heraus, dass bereits bei der Gründung der Pflegeschule vor 100 Jahren das Ziel verfolgt worden sei, die Versorgung von Erkrankten zu verbessern. Bis heute sei dies ein zentraler Antrieb, betonte er. Wie Bumann meinte, sei das Klinikum ohne die eigene Pflegeschule und die Ausbildung von Pflegefachkräften undenkbar.

Constanze Schlecht, Vorstandsoberin des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf, gab einen Einblick in die Geschichte der Pflegeausbildung. 1926 übernahm die damals noch als Schwesternschaft organisierte Diakonische Gemeinschaft mit einem sogenannten „Gestellungsvertrag“ die Aufgabe, qualifiziertes Pflegepersonal für die städtischen Krankenanstalten zu stellen und die Ausbildung weiterer Kräfte zu sichern. Am 1. Oktober 1926 startete der Diakonieverein in Osnabrück mit 30 Schwestern und 19 Schülerinnen.

Schlecht erinnerte auch an die Herausforderungen während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg wurde die Ausbildungszeit 1946 auf drei Jahre verlängert. Ein weiterer Meilenstein war 1970 die Einrichtung des ersten Ausbildungskurses für Männer. Nach zunächst getrennten Kursen wurde schließlich auf gemeinsamen Unterricht umgestellt. Schlecht gratulierte der „wunderbaren Schule“, die seit 2019 in ihrem modernen Neubau auf dem Finkenhügel beheimatet ist.

Weiterer Programmpunkt des Festakts war ein Gespräch von Akademie-Recruiterin Lia Veismann mit Stefanie Merschjann und Katina Vorbrink aus dem Leitungsteam der Pflegeausbildung. Darin ging es in heiterer Tonart unter anderem darum, wie sich die Lernwelt seit der Ausbildungszeit der beiden Frauen aus dem Schulteam verändert hat. Dabei wurde deutlich, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass statt iPads und Lerncloud noch Bücherschleppen angesagt war.

Eine Besonderheit: Veismann und drei Kolleginnen waren bei dem Festakt in historischen Schwesterntrachten gekleidet, die im Jahr 1926 und ab 1939 getragen wurden. Die vier Frauen trugen jeweils unterschiedliche Ausführungen der Trachten für Sonn- und Wochentage. Wie sie berichteten, fanden sie die Kleider erstaunlich bequem, aber auch ganz schön warm.

Im abschließenden Redeteil gab Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler, Leiter der Abteilung Pflegewissenschaft an der Universität Osnabrück, Ausblicke auf die Zukunft der Pflege. Wie sich KI, Roboter und andere Technologien auf den Berufsalltag auswirken werden, hänge maßgeblich von der jungen Generation ab, die diese Entwicklung mitgestalten könne. Entscheidend sei, konkrete Maßstäbe für „gute Pflege“ festzulegen und den Einsatz neuer Technologien danach zu beurteilen, ob sie die Pflege tatsächlich unterstützen. Zugleich werde sich der Pflegeberuf verändern: Während medizinische Aufgaben an Bedeutung gewinnen, würden andere Tätigkeiten stärker in soziale Netzwerke verlagert. Hülsken-Giesler warb deshalb dafür, den Pflegeberuf zu ergreifen und seine Zukunft aktiv mitzugestalten.

 

 


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