Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Dysplasiesprechstunde

Dysplasiesprechstunde der Frauenklinik am Klinikum Osnabrück
(Behandlung von Infektionen und Zellveränderungen des äusseren und inneren Genitale)

Dr. Petra Hungermann-Fleig

Dr. Petra Hungermann-Fleig

Ihre Ansprechpartner:
Priv. Doz. Dr. Dr. med. Y. Garnier
Chefarzt der Frauenklinik

Frau Dr. med. Petra Hungermann
Oberärztin der Frauenklinik

 

Kontakt
Frau Pötter und Frau Lorey
Telefon: 0541 – 405 6816

Die Dysplasiesprechstunde an der Frauenklinik ist eine Spezialsprechstunde für Frauen mit chronischen und wiederkehrenden Infektionen und Hautveränderungen des äusseren und inneren Genitale, Zellveränderungen am Gebärmutterhals, in der Scheide und des Scheideneinganges. Auch Kinder mit angeborenen Veränderungen des Scheideneinganges werden hier betreut und – wenn erforderlich – operiert.
Falls Ihr Frauenarzt Ihnen eine Überweisung für diese Spezialsprechstunde ausgestellt hat, können Sie unter der oben angegebenen Telefonnummer einen ambulanten Untersuchungstermin vereinbaren. Falls bei Ihnen eine Operation durchgeführt werden muss, wird zu diesem Zeitpunkt dann mit Ihnen ein Aufnahmetermin zur Operation vereinbart.

Wichtige Infos

  • Wie läuft eine Untersuchung in der Dysplasiesprechstunde ab

    Im gemeinsamen Gespräch wird vor der Untersuchung gezielt nach Beschwerden im gynäkologischen Bereich gefragt und eine gynäkologische Anamnese erhoben.

    Es folgt die Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl, bei der zuerst die äusseren Genitalorgane betrachtet werden, evtl. auch unter Vergrösserung mit dem Kolposkop (siehe dort). Im Rahmen der Untersuchung des äusseren Genitale werden besonders auf Veränderungen, die auf eine Infektion oder Vorstufe einer Krebserkrankung hinweisen können, geachtet (Feigwarzen, Dysplasien der Vulva, Bläschenbildung im Rahmen eines Herpes genitalis, etc.). Durch das Einführen eines Spiegels in die Scheide gelingt es dann, die Scheide und den Gebärmutterhals mit dem äusseren Muttermund sichtbar zu machen. Es erfolgt in der Regel die Entnahme des Krebsabstriches, ggf. Virusabstriches (siehe dort) oder Abstrich auf spezielle Keime (Chlamydien, Mykoplasmen, Bakterien, Viren, Pilze, etc.) sowie die Betrachtung unter Lupenvergrößerung mit dem Kolposkop (siehe dort). Anschließend wird durch Abtastung im Unterleib die Größe, Form und Beweglichkeit der Gebärmutter beurteilt, auch Veränderungen im Bereiche der Eierstöcke versucht man zu tasten.

  • Der Krebsabstrich

    Der Gebärmutterhals ist das einzige Organ des Körpers, an dem sowohl durch regelmäßigen Zellabstrich die auch durch direkte Beobachtung die Entstehung einer bösartigen Erkrankung erfasst und beobachtet werden kann. Dies ist insbesondere wichtig, weil Vorstufen von bösartigen Gebärmutterhalsveränderungen von der Frau nicht selbst erkannt werden können, da sie keine Symptome verursachen. Bereits 1928 hat Dr. G.N. Papanicolao erste Ergebnisse über Zelluntersuchungen nach Scheidenabstrich veröffentlicht. Der Ausdruck „Pap-Abstrich“ ist jeder Frau geläufig und er kommt weltweit zur Anwendung.
    Verschiedene Instrumente stehen für die Zellentnahme zur Verfügung und werden je nach Form und Größe des Gebärmutterhalses angewendet. Die Zellen werden heute optimal sofort in eine Flüssigkeit gegeben, damit sie nicht austrocknen und für die weitere Beurteilung zur Verfügung stehen.
    Die Zellen werden in der Folge mit dem nach Papanicolao genannten Verfahren gefärbt und von einer dafür speziell ausgebildeten Zytotechnikerin und einem Arzt im hauseigenen Zytologielabor beurteilt.

  • Beobachtung des Gebärmutterhalses unter Vergrößerung (Kolposkopie)

    Diese Untersuchungstechnik besteht aus einer Untersuchung des Gebärmutterhalses bei 10 – 20-facher Lupenvergrößerung mit einem speziellen Mikroskop (Kolposkop). Es handelt sich somit um eine visuelle Darstellung von Frühveränderungen im Bereiche des Gebärmutterhalses. Die Qualität dieser Untersuchung ist stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig. Die Betrachtung des Gebärmutterhalses erfolgt vorerst ohne Vorbehandlung, anschließend wird auf die Gebärmutterhalsoberfläche Essigsäure getupft, welche dazu führt, dass sich krankhafte Oberflächenzellen des Gebär-mutterhalses verändern und dann in der Vergrößerung erkannt werden. Den Schluss der Untersuchung bildet die Anwendung einer Jodlösung (Lugol’sche Jodprobe) bei der gesundes Oberflächengewebe dunkel gefärbt wird und sich krankhafte Bezirke als helle Zonen darstellen.
    Zusätzlich wird mit dem Kolposkop nach Applikation von Essig die Scheide und der Scheideneingang auf sich „essigweiß“ anfärbende Veränderungen untersucht, die Feigwarzen oder Vorstufen von bösartigen Veränderungen darstellen können. Auch chronische Hautveränderungen wie Lichen sclerosus und Lichen ruber können bei dieser Untersuchung diagnostiziert werden und entsprechend behandelt werden. Bei unklaren Befunden wird ggf. eine Probe in lokaler Betäubung zur histologischen Untersuchung entnommen.

  • Wieso ist diese Vorsorgeuntersuchung so wichtig?

    Mit der Vorsorgeuntersu-chung gelingt es frühe Zellveränderungen am Gebärmutterhals
    und Scheideneingang zeitgerecht zu erkennen und entsprechend einer Behandlung zuzuführen, bevor eine bösartige Veränderung entsteht.
    Verantwortlich für die meisten dieser Zellveränderungen sind sogenannte Papilloma-Viren (HPV), von denen wir heute über 100 verschiedene Typen kennen. Das Papillomavirus gelangt beim Sexualverkehr in die Scheide und an den Gebärmutterhals. Die Durchseuchung mit dem Virus ist sehr hoch, mit einer Prävalenz für jüngere Patientinnen und Schwangere. Ca. 80% der Frauen machen irgendwann in Ihrem Leben eine HPV Infektion durch, aber der Infekt ist meist vorübergehend und asymptomatisch. Die entscheidende Frage ist, ob die Patientin aufgrund ihrer Immunitätslage das Virus nach ein bis zwei Jahren verliert oder es zu einer persistierenden Virusinfektion kommt. Weiterhin ist zu beachten, dass viele dieser Viren harmlos sind (sog. low risk Viren), gewisse Typen (sogenannte onkogene Viren oder high risk Viren) führen aber im Bereiche des Gebärmutterhalses oder auch Scheideneinganges zu Zellveränderungen, welche sich dann unbehandelt zum Gebärmutterhalskrebs oder Scheidenkrebs weiterentwickeln können, ein Prozess, der meist über mehrere Jahre (7-10 Jahre) abläuft.

    Zusammengefasst: Es ist nicht das Problem, HPV zu bekommen, sondern es wieder loszuwerden. Aus dem Ganzen folgt also: Ein einmaliger Virus Nachweis hat wenig Bedeutung.
    Zur Testung, ob Sie eine zugrundeliegende HPV Infektion haben, wird ein sogenannter „Hybrid Capture Test“ durchgeführt, bei dem im Zellabstrich die Virus DNA nachgewiesen wird. Diese zusätzliche Untersuchung wird Frauen mit auffälligem Pap Abstrich (Pap IIW, IIID, III) ab dem 30. Lebensjahr geraten. Bei Persistenz des Virus über 6 Monate hinaus (2. Test), sollte der auffällige Befund am Muttermund entfernt werden, bei Ausheilung des Virus kann die Spontanheilung der Zellveränderung abgewartet werden, da leichte Zellveränderungen eine Selbstheilungstendenz zeigen (max. 1-2 Jahre). Bei zunehmender Schwere der Zellveränderung (> Pap IVa) ist mit einer Selbstheilung immer weniger zu rechnen, so dass bei dieser Diagnose sofort operiert werden muss.

  • Behandlung der Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses

    An der Frauenklinik Osnabrück behandeln wir die beschriebenen Zellveränderungen mit der Elektroschlinge (sog. LEEP). Der Vorteil dieses Verfahrens gegenüber der Entfernung mit dem Messer besteht in der geringeren Blutungsneigung, der Möglichkeit der gezielten Entnahme des erkrankten Gewebes unter dem Kolposkop und somit geringeren Rate an Komplikationen, auch in Bezug auf eine spätere Schwangerschaft. Pro Jahr werden über 400 Eingriffe am äußeren und inneren Genitale in unserer Klinik durchgeführt. Der Eingriff wird in der Regel in einer Kurznarkose durchgeführt. Die Patientin wird am Operationstag morgens nüchtern aufgenommen und kann abends nach Hause gehen. Nur selten ist eine stationäre Überwachung über Nacht erforderlich. Die Methode hat in der Hand des Erfahrenen eine äußerst geringe Rate von Komplikationen. Eine körperliche Schonung von 2 Wochen nach der OP ist anzuraten. Regelmäßige Abstrichkontrollen nach der Operation sollten anfangs in 3-monatigen Abständen bei Ihrem Frauenarzt erfolgen.

  • Behandlung von Feigwarzen und Zellveränderungen des Scheideneinganges

    Die ebenfalls durch HPV hervorgerufenen, therapieresistenten Feigwarzen werden nach Entnahme einer Probe ebenfalls mit dem Laser entfernt. Veränderungen von Krebsvorstufen des äußeren Genitale (sog. vulväre intraepitheliale Neoplasie, abgekürzt VIN) werden nach histologischer Sicherung mit dem Argonbeamer, Laser oder mit dem Skalpell entfernt. Die Heilung verläuft nach Lasertherapie meist narbenfrei, dauert jedoch ca. 4 Wochen. Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt (z.B. Tannolact) fördern den Heilungsverlauf.
    Die Kontrolle des Heilungsverlaufes wird in der Regel von Ihrem niedergelassenen Frauenarzt durchgeführt.

Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Informationen Verstanden